Bauchschmerzen / Abdominelle Beschwerden

Definition

Manager mit BauchschmerzenBauchschmerzen sind mit die häufigsten Beschwerden in fachärztlichen Praxiseinrichtungen. Abdominelle Beschwerden sind häufig auf eine Verletzung oder Erkrankungen des Verdauungssystems (Gastrointestinaltrakts, GI-Trakt) zurückzuführen. Sie können akut auftreten oder aber auch chronisch verlaufen.

Synonyme und artverwandte Begriffe
Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
Entzündung des Dünndarmkonvoluts (Enteritis)
Entzündung des Dickdarms (Colitis)
Englisch: Stomach pain, abdominal pain, gut pain

Überblick

Der Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt, GI-Trakt) ist ein System aus muskulären Hohlorganen, die der Aufspaltung, dem Weitertransport und der Verarbeitung der Nahrung dienen. Auf dem Weg durch den Darm werden die Nahrungsinhalte mechanisch zerkleinert, aufgespalten und von der Darmwand resorbiert.

De GI-Trakt besteht aus folgenden Einzelabschnitten: Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm, Leerdarm, Krummdarm, Dickdarm und Enddarm.

Diese einzelnen Darmabschnitte sind zum Darminnenraum hin von einem hochspezialisierten Schleimhautrelief überzogen, das mit einer schichtartig angeordneten Ring- und Längsmuskulatur versehen ist. Diese Muskelschicht wird unbemerkt durch charakteristisch ausgerichtete Kontraktionen in Bewegung versetzt.

Störungen der Verdauungsfunktion können durch viele Faktoren ausgelöst werden. Sie treten meist kurzzeitig (akut) auf, können bisweilen jedoch auch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben und in seltenen Fällen auch chronisch werden. Die Schmerzcharakteristik ist dabei äußerst variabel: Abdominelle Beschwerden können dumpf-drückend, schmerzhaft-stechend, brennend, ziehend, krampfhaft oder kolikartig mit wellenförmig zu- und abnehmender Intensität auftreten Dabei sind Sie entweder diffus über den gesamten Bauchraum verteilt oder aber klar lokalisierbar.

Oftmals sind Bauchbeschwerden lediglich durch eine vorangegangene Mahlzeit verursacht, auf deren Bestandteile der Darm leicht sensibel reagiert. Diese kurzzeitigen Beschwerden sind in der Regel jedoch nicht krankhaft bedingt.

Bei einer Erkrankung des Gastrointestinaltraktes, sowie der Leber, Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse, treten Bauchschmerzen häufig als Teil eines charakteristischen Symptomkomplexes auf. Zu möglichen Begleiterscheinungen gehören hierbei:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Sodbrennen
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Temperaturanstieg
  • Durchfall (Diarrhoe)
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Windverhalt
  • Blähungen
  • Harte Bauchdecke (der Arzt spricht von „Abwehrspannung“)
  • Blut im Stuhl

Ursachen

Im Folgenden finden Sie eine Auflistung möglicher Ursachen von Magen- oder Bauchschmerzen:

  • Falsche Ernährungsgewohnheiten: stark fettige, zu heiße, kalte oder scharf gewürzte Speisen, zu hastiges Essen, ungenügende Flüssigkeitszufuhr
  • Genussmittelkonsum (Kaffee, Alkohol, Nikotin)
  • Verdorbene Lebensmittel
  • Nahrungsmittelallergien oder –unverträglichkeiten (beispielsweise Lactoseintoleranz)
  • Reizdarm-Syndrom
  • Infektionskrankheiten des GI-Trakts (Salmonellen, Campylobacter oder Helicobacter, Enterohämorrhagische Escherichia Coli, EHEC)
  • Appendizitis (Blinddarmentzündung)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa)
  • Pseudomembranöse Kolitis (Entzündung der Darmschleimhaut in Folge einer Antibiotikabehandlung)
  • Ischämische Enterokolitis (Entzündung des Dickdarms mit Unterbrechung der Blutzufuhr)
  • Akute Divertikulitis (Entzündung kleiner Ausstülpungen der Schleimhaut, sogenannten Divertikeln)
  • Gallenblasen-, Gallengangsentzündung (Cholezystitis, Cholangitis)
  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Gallensteinleiden (Cholezystolithiasis)
  • Nierensteinleiden (Nephrolithiasis)
  • Nierenleiden, sowie Erkrankungen der Harnleiter
  • Erkrankungen der Milz, beispielsweise eine Vergrößerung (Splenomegalie)
  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • Erosionen der Magen- und Darmschleimhaut
  • Geschwüre des Magen- oder Darmtrakts (Ulcera)
  • Maligne Tumoren in Magen, Darm oder den assoziierten Verdauungsorganen (Leber, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase)
  • Verengungen (Stenosen) in einem Teil des Verdauungssystems
  • Lokale Durchblutungsstörungen der Schleimhaut
  • Gynäkologische Ursachen: Menstruationsbeschwerden, ektope Schwangerschaft (Eileiter- oder Peritonealhöhlenschwangerschaft), Ovarialzysten
  • Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes mellitus
  • Cholera (Brechdurchfall)
  • Shilgelleninfektion (Shigellenruhr)
  • Infektion mit dem Milzbranderreger
  • Psychische Beschwerden wie Stress, Depression, Erschöpfungszustände und Angst

Ein akuter Herzinfarkt kann sich ebenfalls anhand diffus-lokalisierter Oberbauchschmerzen bemerkbar machen.

Was Sie selbst tun können

Abdominelle Beschwerden, BauchKontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie akut und bereits längere Zeit unter abdominellen Beschwerden jeglicher Symptomatik leiden, oder zusätzliche oben aufgeführte Begleitsymptome verspüren. Bitte beachten Sie, dass Blut im Stuhl eine dringende Behandlung erforderlich macht. Auch der akute Herzinfarkt stellt einen ärztlichen Notfall dar! Er kann, wie oben aufgeführt, ebenfalls mit Bauchschmerzen in Verbindung stehen. Hierbei treten Schmerzen auf, die vornehmlich in den linken Arm ausstrahlen. Häufig berichten Patienten auch über einen vernichtenden Schmerz hinter dem Brustbein.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Internist
  • Gastroenterologe, Proktologe
  • Chirurg
  • Gynäkologe
  • Nephrologe, Urologe

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Dabei werde Sie nach zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen befragt.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Können Sie den Schmerzcharakter genauer beschreiben und eine Lokalisation vornehmen?
  • Treten die Schmerzen zu bestimmten Tageszeiten verstärkt oder bei bestimmten Bewegungen auf?
  • Bestehen anderweitige Symptome wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Windverhalt, vermehrtes Schwitzen, Sodbrennen, vermehrte Empfindlichkeit gegenüber sehr heißen, kalten oder scharf gewürzten Speisen oder Getränken?
  • Haben Sie bereits schon einmal daran gelitten?
  • Sind in Ihrer Familie derartige Symptome gehäuft aufgetreten?
  • Wie schätzen Sie Ihren Kaffee-/Nikotin- und Alkoholgenuss ein?
  • Beschreiben Sie bitte Ihre normalen Essgewohnheiten.
  • Bestehen bekannte akute oder chronische Erkrankungen (Infektionen, Diabetes Mellitus, Erbkrankheiten, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa) und werden diese aktuell therapiert?
  • Wie ist Ihre Stuhlfrequenz und –Beschaffenheit? Scheiden Sie Blut aus?#
  • Leiden Sie unter bekannten Nahrungsmittelallergien?
  • Leiden Sie unter Stresszuständen?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik, Ihrem aktuellen Befinden und einer eingehenden körperlichen Untersuchung kann der Arzt nun folgende Diagnostik vornehmen:

  • Blutentnahme
  • Stuhlprobenentnahme
  • Urinuntersuchung
  • Schleimhautabstrich
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums (Sonografie)
  • Lactoseintoleranztest (H2-Atemtest)
  • Helicobacter-Testung
  • Bildgebende Verfahren, wie: Röntgen, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Magenspiegelung (Gastroskopie)
  • Darmspiegelung (Koloskopie)
  • Gezielte Darstellung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge (Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie, ERCP)

Behandlungen (Therapie)

Die Behandlung von Bauchschmerzen richtet sich nach der zu Grunde liegenden ursächlichen Erkrankung. Vor allem bei länger andauernden, kolikartigen oder sehr starken Beschwerden, sowie einem diagnostizierten Blutverlust ist eine schnelle gezielte Therapie, mit gegebenenfalls chirurgischer Intervention und stationärer Überwachung nötig.

Im Rahmen einer Verstopfung reichen oftmals sanft abführend wirkende, die Peristaltik anregende Maßnahmen, sowie eine verstärkte Flüssigkeitszufuhr aus. Sogenannte „Spasmolytika“, wie „Butylscopolamin“ oder „Mebeverin“ können im Rahmen von kolikartigen Schmerzen durch Relaxation der verkrampften Muskulatur eine Linderung der Symptome bewirken.

„Phytotherapeutika“ sind pflanzliche Mittel, die eine sanfte Alternative darstellen können. Sie werden als Tees, Kapseln, Tabletten oder in getrockneter Form eingenommen. Hierzu gehören Extrakte aus Pfefferminze, Kümmel, Kamille, Fenchel oder Anis. Ihre Wirksamkeit ist jedoch nicht hinreichend wissenschaftlich belegt.

Infektiöse Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts werden zielgerichtet anhand eines mikrobiologischen Erregernachweises therapiert:

  • Antibiotika bei bakteriellen Infektionen
  • Antimykotika (bei Pilzbefall)
  • Virustatika (im Rahmen von Virusinfekten)

Zusätzlich gibt es noch eine Reihe protektiv wirksamer Präparate, deren Wirkstoffe zum Schleimhautschutz oder zur Regeneration nach erfolgter Behandlung eingesetzt werden können. „Omeprazol“ beispielsweise kann eine übermäßige Säureproduktion im Magen verhindern, „Sucralfate“ bilden einen schützenden viskösen Gelüberzug.

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Magen- oder Bauchkrämpfe sind in den meisten Fällen leidliche, jedoch vorübergehende Symptome, die auf eine Reizung der Darmschleimhaut zurückgeführt werden können. Meist helfen schon etwas Ruhe und Entspannung, eine Wärmflasche sowie ein warmer Tee und eine vorübergehende Schonung von Magen- und Darmschleimhaut:

  • Verzichten Sie dazu auf fettige, scharfe, zu heiße oder kalte Speisen, sowie stark gesüßte oder viel Fruchtzucker enthaltende Nahrungsmittel
  • Vermeiden Sie Milchprodukte
  • Verzichten Sie unbedingt auf Kaffee, Zigaretten und Alkohol

Achten Sie ansonsten auf eine ausgewogene Ernährung, die den Darm nicht belastet und leicht verdaulich ist. Frittierte, übermäßig gewürzte oder sehr süße, sowie stark verarbeitete Lebensmittel reizen Magen und Darm. Essen Sie stattdessen viel frisches Obst und Gemüse, kaltgepresste Öle, Nüsse, sowie Fisch und reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum. Auch zuviel Rohkost kann den Darm, insbesondere die bakterielle Darmflora belasten und zu Blähungen führen. Alkohol sollte stets in Maßen (10-20g/ Tag) genossen werden, auch Kaffee und Nikotin sind starke Reizstoffe für die Schleimhaut. Reduzieren Sie Ihren Konsum und geben Sie bestenfalls das Rauchen auf. Achten sie neben einer gesunden Ernährung auf eine tägliche Trinkmenge von mindestens zwei Litern Wasser.

Viel Bewegung an der frischen Luft fördert zusätzlich eine gesunde Darmperistaltik. Treiben Sie regelmäßig Sport und gestalten Sie Ihren Alltag aktiv. Nutzen Sie beispielsweise die Treppe anstatt des Aufzugs und erledigen Sie kleinere Dinge zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

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